Transidentität / Gender-Dysphorie

Transidenten (Trans*, Transgender, Transidentität, Transsexualität) erleben eine Divergenz zwischen ihrem gefühlten und ihrem biologischen Geschlecht. Bei der Diagnose Gender-Dysphorie / Geschlechtsidentitätsstörung (DSM-5) werden interdisziplinäre Therapien und Verfahren wie Psychotherapie, Stimmtherapie, Hormontherapie und Chirurgie angewandt. Diese haben das gemeinsame Ziel, mit individuellen Maßnahmen den schrittweisen Wechsel (Transition) in die gefühlte Geschlechtsidentität zu begleiten.

Zur Geschlechtsidentität und -identifikation eines Individuums tragen verschiedene verbale und nonverbale Merkmale bei:

  • Verbale Merkmale: u.a. verschiedene Grundfrequenzen / unterschiedliche Nutzung der Resonanzräume (u.a. Brust-/Kopfresonanz) / unterschiedliche Nutzung des Stimmumfangs (Modulation) und der Satzbetonung (Intonation)
  • Nonverbale Merkmale: u.a. Mimik / Gestik / Körperspannung (Tonus) / Haltung / Bewegung / Ausdruck / Erscheinungsbild

Während der Transition erfahren Transidenten häufig eine Diskrepanz zwischen ihrem äußeren Auftreten und ihrer Stimme. Sowohl in der eigenen als auch in der gesellschaftlichen Wahrnehmung und Einordnung der Stimme als weiblich oder männlich treten in der Kommunikation nicht selten Konflikte auf, die zu Problemen in der sozialen Integration führen können.
Auf die Bedeutung der Stimmtherapie weist daher auch die World Professional Asociation for Transgender Health (WPATH) in ihren aktuellen Versorgungsempfehlungen hin.


Formen _ Transidentität / Gender-Dysphorie

Die derzeitige Definition / Klassifizierung von Transsexualismus (nach ICD-10/V F64.0) ist veraltet und wird zurzeit grundlegend modifiziert. Zukünftig wird sie beschrieben als Nichtübereinstimmung des Identitätsgeschlechts mit dem zugewiesenen Geschlecht in der Pubertät und als Erwachsener.

Der Wechsel in das angestrebte Geschlecht (Transition) wird eingeteilt in:

  • Bei Geburt zugewiesenes Geschlecht ‹Mann›: TransFrau (TF)
    Durch die Hormontherapie bleibt die Anatomie des Kehlkopfes unverändert. Die Anhebung der Stimme (Grundfrequenz) muss hier unter den bestehenden anatomischen Voraussetzungen im Rahmen der Stimmtherapie angepasst werden.
  • Bei Geburt zugewiesenes Geschlecht ‹Frau›: TransMann (TM)
    Durch die Hormontherapie wird ein Wachstum des Kehlkopfes angeregt, was in der Folge zu einem Absinken der Stimme (Grundfrequenz) führt.

Therapie _ Transidentität / Gender-Dysphorie

Die Stimmtherapie muss bei Transidenten sehr unterschiedliche Aspekte berücksichtigen und gestaltet sich daher immer höchst individuell. Die körperliche und psychische Verfassung, individuelle Fähigkeiten, Selbstwahrnehmung, Lebenssituation und soziales Umfeld (privat, beruflich) sowie die Umsetzung des Coming-outs, welches meist schrittweise erfolgt, beeinflussen entscheidend die Therapie.

Gemeinsam müssen die individuellen Erwartungen, Wünsche und Zielvorstellungen mit den physiologischen Gegebenheiten in Einklang gebracht werden, um der Gefahr einer Dysphonie (Stimmstörung) entgegenzuwirken. Dieser Prozess erfordert ein hohes Maß an Vertrauen und Einfühlungsvermögen zwischen Therapeut/in und Transidenten.

Ziel der Therapie ist das Erreichen einer Stimme, die als natürlich und authentisch empfunden wird. Dies schließt neben der Sprechstimmlage auch alle sprechbegleitenden Merkmale des gesamten Kommunikationsverhaltens mit ein. Entscheidend ist hierbei die Selbstidentifikation mit der erarbeiteten Stimme.

Inhalte

  • Schulung der Fremd- und Selbstwahrnehmung der Stimme
  • Gezieltes Stimmtraining für die an der Stimmgebung beteiligten Strukturen (u.a. Kehlkopf / Stimmlippen / Gaumensegel / Zunge / Mundbereich)
  • Belastbarkeitstraining der neuen Stimme ohne Überlastung des Kehlkopfes
  • Erarbeitung einer individuellen und authentischen Stimme (Experimentieren mit unterschiedlichen Stimmtypen)
  • Training von unterschiedlichen Sprechweisen (z.B. Modulation / Intonation / Sprachmelodie)
  • Erarbeitung einer individuellen und authentischen Körpersprache (z.B. Mimik / Gestik / Körperspannung (Tonus) / Haltung / Bewegung / Ausdruck)
  • Anleitung / Aufklärung / Beratung
  • Kooperation mit Psychologen / Psychotherapeuten / Psychiatern / Neurologen

Wegweiser _ Transidentität / Gender-Dysphorie

Wann?

Die Stimmtherapie sollte bereits in der Orientierungsphase beginnen, um nach dem Coming-out eine gefestigte stimmliche Basis zu erreichen.

Wie und wo?

Bei einem Therapiebedarf erhalten Sie von Ihrem HNO-Arzt, Phoniater, Psychiater oder Neurologen eine Verordnung für die Stimmtherapie. Eine phoniatrische Untersuchung ist unbedingt durchzuführen. Die Stimmtherapie sollte in enger Kooperation mit einem Psychologen / Psychotherapeuten / Psychiater stattfinden.

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Stimmtherapie (bei gesetzlich Versicherten über 18 Jahren ist i.d.R. eine gesetzliche Zuzahlung zu leisten).

Nehmen Sie einfach Kontakt zu uns auf, wenn Sie Fragen haben und/oder einen Termin vereinbaren möchten.

Weblinks

Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti) e.V.
www.dgti.org

World Professional Association for Transgender Health (WPATH)
www.wpath.org


TXKöln _ Selbsthilfegruppe Köln
www.txkoeln.de

Bundesvereinigung Trans* (BVT*) e.V.
www.bv-trans.de

Trans-Kinder-Netz (TRAKINE) e.V. _ Eltern-Netzwerk
www.trans-kinder-netz.de

Transgender Network Switzerland (TGNS) _ Netzwerk Schweiz
www.tgns.ch/de

Transgender Europe (TGEU) _ Europäisches Netzwerk
tgeu.org


Diplom-Psychologe Hubertus Stief-Küchler _ Köln
www.psychotherapie-stief-kuechler.de

Diplom-Psychologe Bernhard Breuer _ Bonn
www.bernhard-breuer.de


Papa heißt jetzt Verena _ Dokumentarfilm / D 2017 von Elisabeth Möst (BR Fernsehen)
ARD Mediathek / SWR Fernsehen

Max ist Marie _ Themenprojekt
maxistmarie.kathrinstahl.com

Ich bin Stefanie _ Themenprojekt
ichbinstefanie.ch