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Birgit Lange

Stottern
Stottern ist eine Unterbrechung des natürlichen Redeflusses.

Es kann sich in Wiederholung oder Dehnung von Wörtern oder Sätzen äußern oder in der Blockierung der Sprechwerkzeuge (Zunge und Lippen). Stottern ist in verschiedenen Situationen unterschiedlich stark ausgeprägt und weist eine Vielzahl von individuellen Erscheinungsformen auf.

Beispiele :

Wiederholung: "Ha-ha-hast Du schon gesehen?"
Dehnung: "Ich haaabe ..."
Blockade: "Ggguten Tag"

Therapie

In der Stottertherapie unterscheidet man drei große Therapierichtungen bzw. -ansätze. Die sogenannte "Non-avoidance"-Therapie (Charles van Riper), das in Amerika sehr populäre "fluency shaping" sowie ein Therapiekonzept, das die Persönlichkeitsstärkung des Patienten und die Akzeptanz des Stotterns in den Vordergrund der Behandlung stellt.

"Non-avoidance"-Therapie
"Non-avoidance" bedeutet "nicht vermeiden" und beinhaltet den therapeutischen Grundsatz, dass das Stottern nur dann wirksam durch Modifikationstechniken zu einem flüssigen, lockeren Stottern verändert werden kann, wenn die Betroffenen mit ihrer Symptomatik offen umgehen und typische Einstellungen und Verhaltensweisen im Sinne des Nicht-Vermeidens verändern lernen.

"fluency shaping"
Der Ansatz des "fluency shaping" zielt auf ein flüssiges Sprechen, indem das gesamte Sprechmuster des Betroffenen verändert wird. Die Sprechflüssigkeit hat Priorität vor der Akzeptanz des Stotterns.

Persönlichkeitsstärkung des Patienten
Bei dieser Therapierichtung hingegen wird primär die Akzeptanz des Stotterns angestrebt; der Klient soll unterstützt werden, offen mit seinem Stottern umzugehen, das Thema Stottern in seinem sozialen Umfeld zu enttabuisieren und die Angst vor Kommunikationssituationen abzubauen.

Da alle diese Therapieansätze ihre begründete Berechtigung haben, findet man auch Konzepte zur Stottertherapie, die einzelne Elemente der genannten Richtungen unter Berücksichtigung eines einzelfallbezogenen Vorgehens integrieren (Integrative Therapie nach Prüß).

Eine ganzheitliche Therapiegestaltung hat mehrere Ebenen des Problemkreises Stottern zu berücksichtigen:

die sprachbezogene Ebene bezieht sich auf die sprechmotorischen Abläufe beim Stottern und deren Veränderung
emotionale Aspekte meinen Gefühle wie Angst und Scham
die kognitive Ebene umfasst das Selbstbild des Klienten, seine Gedanken und Bewertungen
verhaltensbezogene, soziale Gesichtspunkte beschäftigen sich mit dem möglichen Vermeidungsverhalten oder sozialen Rückzug des Klienten

Ziel der Behandlung des Stotterns ist demzufolge ein selbstbewusster und angstfreier Umgang mit dem eigenen Stottern sowie die genaue Analyse und schrittweise Veränderung des individuellen Stotterverhaltens. Dabei wird ein möglichst kontrolliertes und flüssiges Sprechen angestrebt. ·

Vor Beginn der Behandlung wird zunächst ein eingehendes Diagnose- bzw. Informationsgespräch geführt. Der individuelle Bedingungshintergrund des stotternden Menschen, Erwartungen des Klienten sowie Möglichkeiten und Ziele der Therapie können hier besprochen werden.

Beispiel :

Bei ausgeprägter Tendenz eines Klienten, Kommunikationssituationen zu vermeiden und damit seine Angst vor dem Sprechen aufrechtzuerhalten, könnte sich ein erster Baustein der Therapie wie folgt gestalten :

1. Die Reduzierung von Angst geschieht durch einen konsequenten Abbau des bisherigen Flucht- und Vermeideverhaltens.
2. Nach einer Vorbereitungsphase, in der der Klient informiert und motiviert wird, folgt die sogenannte Konfrontationstherapie. Hier sucht der Klient mit Unterstützung und in Begleitung des Therapeuten Kommunikationssituationen auf, die er aus Angst vor dem Stottern oder den Reaktionen seiner Gesprächspartner bislang möglichst vermieden hat. Dies kann beispielsweise in Form von Telefontraining oder auch in realen Lebenssituationen ("in vivo") wie zum Beispiel beim Einkaufen geschehen. Die Konfrontationstherapie hat sich als außerordentlich effizient beim Abbau von angstmotiviertem Vermeideverhalten erwiesen.
3. Der eigentlichen Modifikation des Stotterns geht im allgemeinen eine intensive Analyse bzw. Identifikation des eigenen Stotterverhaltens voraus. Mit Hilfe von Tonband- und Videoaufnahmen wird die Selbstwahrnehmung des Klienten gefördert, so dass er zunehmend in die Lage versetzt wird, sein Stottern willentlich zu beeinflussen. Dies geschieht im weiteren Verlauf der Therapie durch die Erarbeitung von sogenannten Stotterkontrollierungs- bzw. Sprechkontrollierungstechniken.
4. Zum Erfolg einer Therapie trägt schließlich ganz wesentlich die Transferleistung des Klienten bei, d.h. die Umsetzung der erarbeiteten Inhalte in den Alltag.

 

 

 

 

 

STOTTERER-SELBSTHILFE KÖLN e. V.
Kontakt- und Beratungsstelle für Stotterer, ihre Angehörigen und Freunde
Kasparstraße 4
50670 Köln
Telefon : (0221) 724375
Treffen:
Gruppenabende der Stotterer-Selbsthilfegruppe
Di 19.30 - 21.30 Uhr
"Quäkernachbarschaftsheim "
Altentagesstätte
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