Home Das Praxisteam Hier sind wir ! Störungsbilder und Therapien Kontaktadressen Aktuelles Kontakt
Wie spricht mein Kind ? Elterninformation zur Sprachentwicklung
Der Sprachbaum Wann sollen Kinder vorsorglich untersucht werden Sprachliche Förderung Ursachen Wegweiser für Eltern und Angehörige

Birgit Lange

Aktuelle
Informationen
Für Eltern von ein- bis zweijährigen Risikokindern
Sprachförderung ab dem 12. Lebensmonat
Sprachförderung ab dem 24. Lebensmonat

Störungsbilder und Thearpien
Sprachstörungen
Sprechstörungen
Stimmstörungen
Schluckstörungen
Sprachförderung nach der U7 (ab dem 24. Lebensmonat)

© Dr. Ute Ritterfeld, Universität Magdeburg

Die Sprachentwicklung von Kindern verläuft sehr uneinheitlich. Nach Abschluss des zweiten Lebensjahres können die meisten Kinder schon mehr als 50 Wörter sprechen. Verstehen können sie sogar noch wesentlich mehr. Doch manchen Kindern fällt gerade der Spracherwerb besonders schwer. Es könnte sein, dass Ihr Kind zu dieser Gruppe von Kindern gehört. Denn auch Ihr Kind spricht weniger als die meisten gleichaltrigen Kinder. Die Chance, dass es seine Verspätung ganz von alleine aufholt, beträgt ungefähr 50 Prozent. Es könnte aber auch sein, dass Ihr Kind zu derjenigen Gruppe von Kindern gehört, die eine besondere Förderung benötigen. Wir können nicht voraussehen, ob Ihr Kind es alleine schaffen würde oder Ihre Hilfe braucht. Doch wenn Sie ihm jetzt Hilfe anbieten, hat Ihr Kind die besten Voraussetzungen.

Möchten Sie Ihrem Kind dabei helfen, die Sprache zu lernen? Sie können wirklich etwas tun:

Ihr Kind hat zwar die angeborene Fähigkeit, seine Muttersprache zu erwerben, aber das setzt auch voraus, dass Sie mit Ihrem Kind sprachförderlich sprechen. Je mehr Hilfe Sie Ihrem Kind dabei geben, desto leichter wird ihm der Spracherwerb fallen.

Sprache zu lernen ist nämlich eine der schwierigsten Aufgaben für kleine Kinder. Nachahmen alleine reicht bei weitem nicht aus, um eine Muttersprache zu erwerben. Spracherwerb bedeutet vor allem, dass das Kind die grammatischen Regeln lernen muss, auf denen unsere Sprache aufbaut. Doch wie kann das Kind wissen, was ein Wort ist oder wo Anfang und Ende eines Satzes sind? Es lernt diese Dinge durch die Art und Weise, wie Sie mit ihm sprechen.

Die wichtigste Regel ist dabei, Ihre Aufmerksamkeit und die des Kindes auf denselben Sachverhalt oder Gegenstand zu richten. Stellen Sie sich vor, Sie besitzen beide eine Taschenlampe. Versuchen Sie, die Lichtkegel Ihrer beiden Lampen übereinander zu schieben. Das bedeutet, dass Sie und Ihr Kind sich im Moment mit derselben Sache beschäftigen. Dann ist die Bedingung optimal, Ihrem Kind Sprache anzubieten.

Schieben Sie Ihre "Lichtkegel" übereinander, bevor Sie sprechen.

Jetzt kommt es darauf an, nicht nur einzelne Wörter zu sprechen, sondern kleine Geschichten. Stellen Sie sich vor, dass Sie einzelne Wörter mit Sprache ,umkreisen': Statt nur auf eine Ente zu deuten und "Ente" zu sagen, können Sie eine kleine Geschichte daraus machen: "Guck mal, eine Ente, eine gelbe Ente. Was macht die Ente denn da? Ob sie ins Wasser springen will? Was meinst Du, ob die Ente wohl schwimmen kann?" usw. Mit dieser Umkreise Technik bieten Sie dem Kind das Zielwort "Ente" wiederholt an und gleichzeitig zeigen Sie Ihrem Kind, dass Enten gelb sind, ins Wasser springen und schwimmen können. Dadurch kann das Kind sein Sprachverständnis erweitem und Bausteine für die eigene Sprachproduktion herausfiltern.

„Umkreisen“ Sie einzelne Wörter durch Geschichten!

Ihr Kind wird vielleicht ein einzelnes Wort nachzusprechen versuchen und dabei Fehler machen: z.B. "der hat das da rein getut" statt "rein getan". Vermeiden Sie, Ihrem Kind das falsche Wort nochmal vorzusprechen ( z. B. "nein, das heißt nicht getut !" ), sondern bieten Sie ihm einfach das richtige Wort an: "Ja, der hat das da rein getan". Ihr Kind lernt nicht durch Kritik, sondern durch ein wiederholtes korrektes sprachliches Angebot.

Kritisieren Sie Ihr Kind nicht für seine Fehler .
Bieten Sie ihm lieber das richtige Wort nochmal an!

Ein Kind lernt Sprache dann am Besten, wenn es viel spricht. Schaffen Sie ihm die Möglichkeit. Beobachten Sie sich, welche Fragen Sie an Ihr Kind richten. Fragen, die von dem Kind nur ein einzelnes Wort als Antwort verlangen (zum Beispiel: "Was ist das?" oder "Wie heißt das?") sind wenig hilfreich. Stellen Sie deshalb Fragen, die es zu mehr Sprechen auffordern. Das gemeinsame Betrachten von Bilderbüchern eignet sich hierfür besonders gut: "Was passiert denn hier?" Wenn das Kind etwas sagt, können Sie nachfragen, zum Beispiel: "Warum ist die Ente ins Wasser gesprungen?" oder "Wo hat sich der kleine Bär versteckt?"

Ermuntern Sie Ihr Kind zum Sprechen! Fragen Sie nach!

Bilderbücher sind hervorragend geeignet, um Ihrerseits Sprache anzubieten. Hier gilt dasselbe Prinzip wie für das Kind: Einzelne Wörter sind nicht genug. Bilden Sie kleine Sätze, beschreiben Sie, wie die Dinge aussehen und was passiert. Greifen Sie das auf, was das Kind sagt und fügen Sie selbst noch etwas hinzu. Wenn das Kind zum Beispiel "Auto" sagt, so können Sie es zu einem kleinen Satz erweitern "Ja genau, ein rotes Auto".

Fügen Sie selbst Sprache hinzu!

Gerade dann, wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kind mit der Sprachentwicklung hinterher hinkt, sollten Sie Ihr Angebot nicht einschränken. Ihr Kind braucht dasselbe wie andere Kinder, nur eben mehr davon. Auch wenn es oft nicht auf Ihre Fragen reagiert, bleiben Sie dabei, es immer wieder zu fragen. Geben Sie nicht nach, von Ihrem Kind Sprache zu verlangen.

Lassen Sie nicht locker: Ihr Kind braucht Ihre Sprachangebote!

Der Alltag von Eltern ist oft sehr anstrengend. Es ist deshalb nicht möglich, sich in jeder Situation auf das Kind einzulassen. Oftmals stehen andere Ziele im Vordergrund, und auch die Bedürfnisse der Eltern haben ihre Berechtigung. Doch selbst wenn Sie ein angespanntes Leben führen, können Sie in Ihrem Alltag kleine Inseln einbauen, in denen die sprachförderliche Kommunikation mit Ihrem Kind im Vordergrund steht. Diese ,Sprachinseln' können durchaus von kurzer Dauer sein. Hauptsache, Sie können sich dabei ganz aufeinander einlassen.

Ziehen Sie sich mit Ihrem Kind immer wieder zwischendurch auf Ihre gemeinsame Sprachinsel zurück!


Das von uns erstellte Faltblatt zu diesem Thema können Sie jederzeit in unserer Praxis erhalten.