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Wie spricht mein Kind ? Elterninformation zur Sprachentwicklung
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Birgit Lange

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Sprachförderung nach der U6 (ab dem 12. Lebensmonat)

© Dr. Ute Ritterfeld, Universität Magdeburg

Die Sprachentwicklung von Kindern verläuft sehr uneinheitlich. Manche Kinder lernen bereits mit zehn Monaten, ganze Wörter zu sprechen. Andere Kinder beginnen erst mit zwei Jahren. Manche Kinder sprechen anfangs nur einzelne Wörter, andere schon ganze Sätze.
Dennoch gibt es eine kleine Allzahl von Kindern, denen der Spracherwerb besonders schwer fällt. Es könnte sein, dass Ihr Kind zu dieser Gruppe gehört. Allerdings läßt sich das jetzt noch nicht genau sagen. Wir werden Ihr Kind im Alter von 24 Monaten bei der U7 nochmals genauer untersuchen und dann besser feststellen können, ob sich Ihr Kind mit der Sprache wirklich schwer tut. Bis dahin ist aber noch ein Jahr Zeit...

Möchten Sie Ihrem Kind dabei helfen, die Sprache zu lernen?
Sie können wirklich etwas tun:

Ihr Kind hat zwar die angeborene Fähigkeit, seine Muttersprache zu erwerben. Aber das setzt auch voraus, dass Sie mit Ihrem Kind sprechen. Je mehr Hilfe Sie Ihrem Kind dabei geben, desto leichter wird ihm der Spracherwerb fallen.

Sprache zu lernen ist nämlich eine der schwierigsten Aufgaben für kleine Kinder. Nachahmen alleine reicht bei weitem nicht aus, um eine Muttersprache zu erwerben. Spracherwerb bedeutet vor allem, dass das Kind die grammatischen Regeln lernen muss, auf denen unsere Sprache aufbaut. Doch wie kann das Kind wissen, was ein Wort ist oder wo Anfang und Ende eines Satzes sind? Es lernt diese Dinge durch die Art und Weise, wie Sie mit ihm sprechen. Ihre Betonung, Ihre Sprechmelodie und die Pausen, die Sie setzen, sind jetzt die wichtigsten Hilfen.

Lassen Sie Ihrem Stimmklang freien Lauf! Kinder lieben einen abwechslungsreichen und übertriebenen Tonfall.

Sprache dient keinem Selbstzweck. Wir brauchen Sie für die Kommunikation mit anderen Menschen. Ihr Kind lernt Sprache, um mit Ihnen in Kontakt treten zu können. Machen Sie den ersten Schritt: Treten Sie in Kontakt mit Ihrem Kind! Versuchen Sie immer wieder Situationen herzustellen, in denen Sie sich ganz auf Ihr Kind einlassen können. Es reichen dabei schon wenige Minuten; zum Beispiel, während Sie das Kind wickeln. Versuchen Sie, auch die Aufmerksamkeit Ihres Kindes zu bekommen.

Treten Sie in Kontakt mit Ihrem Kind! Schauen Sie es an und berühren Sie es, wenn Sie mit ihm reden. Versuchen Sie, seine Aufmerksamkeit zu bekommen.

Ihr Kind kommuniziert mit Ihnen nur, wenn es will. Das setzt voraus, dass es das ,Gespräch' mit Ihnen als etwas Angenehmes erlebt. Ihre Kommunikation sollte deshalb liebevoll und/oder lustig sein.

Vermitteln Sie positive Erlebnisse!

Positive Erlebnisse lassen sich sehr gut durch kleine Sprachspiele vermitteln. Dabei wird das Sprechen mit einem Spiel verbunden. Zum Beispiel können Ihre Finger auf dem Körper des Kindes hüpfen ("zehn kleine Fingerlein hüpfen auf und nieder"), sich verstecken ("zehn kleine Fingerlein gehen ins Versteck, zehn kleine Fingerlein sind auf einmal weg") und plötzlich wieder auftauchen ("hoppla, da sind sie wieder").

Spielen Sie kleine Sprachspiele! Reime, Verse und rhythmische Lieder eignen sich besonders gut . Wiederholen Sie diese Sprachspiele so oft Sie und Ihr Kind es mögen.

Manche Kinder reagieren selbst auf die schönsten Sprachspiele nicht. Ihre Eltern hören dann oft auf, mit dem Kind zu sprechen. Das ist völlig verständlich, weil wir Erwachsenen gelernt haben, dass zur Kommunikation zwei Menschen gehören. Mit Erwachsenen führen wir deshalb auch keine einseitigen Monologe. Doch mit Ihrem Kind sollten Sie es tun!

Spielen Sie mit Ihrem Kind auch dann Sprachspiele, wenn es nicht darauf reagiert!

Sie können allerdings versuchen, das Kind zur Sprache zu verführen. Wenn Sie beobachten, womit sich Ihr Kind gerade beschäftigt, können Sie es dort ,abholen' . Es kommt nicht darauf an, worüber Sie sprechen. Wichtig ist, dass sie sprechen und Ihr Kind dabei zuhört. Wenn Ihr Kind beispielsweise an dem Reißverschluss Ihrer Jacke spielt, können Sie den Reißverschluss auf und zu ziehen und daraus ein Sprachspiel entwickeln: "Auf und zu, sieh mal zu. Rauf und runter, immer munter".

Verführen Sie das Kind zur Sprache!

Der Alltag von Eltern ist oft sehr anstrengend. Es ist deshalb nicht möglich, sich in jeder Situation auf das Kind einzulassen. Oftmals stehen andere Ziele im Vordergrund, und auch die Bedürfnisse der Eltern haben ihre Berechtigung. Doch selbst wenn Sie ein angespanntes Leben führen, können Sie in Ihrem Alltag kleine Inseln einbauen, in denen die sprachförderliche Kommunikation mit Ihrem Kind im Vordergrund steht. Diese ,Sprachinseln' können durchaus von kurzer Dauer sein. Hauptsache, Sie können sich dabei ganz aufeinander einlassen.

Ziehen Sie sich mit Ihrem Kind immer wieder zwischendurch auf Ihre gemeinsame Sprachinsel zurück!


Das von uns erstellte Faltblatt zu diesem Thema können Sie jederzeit in unserer Praxis erhalten.