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© Dr. Ute Ritterfeld, Universität Magdeburg
Die Sprachentwicklung von Kindern verläuft sehr uneinheitlich.
Manche Kinder lernen bereits mit zehn Monaten, ganze Wörter
zu sprechen. Andere Kinder beginnen erst mit zwei Jahren. Manche
Kinder sprechen anfangs nur einzelne Wörter, andere schon ganze
Sätze.
Dennoch gibt es eine kleine Allzahl von Kindern, denen der Spracherwerb
besonders schwer fällt. Es könnte sein, dass Ihr Kind
zu dieser Gruppe gehört. Allerdings läßt sich das
jetzt noch nicht genau sagen. Wir werden Ihr Kind im Alter von 24
Monaten bei der U7 nochmals genauer untersuchen und dann besser
feststellen können, ob sich Ihr Kind mit der Sprache wirklich
schwer tut. Bis dahin ist aber noch ein Jahr Zeit...
Möchten Sie Ihrem Kind dabei helfen, die Sprache
zu lernen?
Sie können wirklich etwas tun:
Ihr Kind hat zwar die angeborene Fähigkeit, seine Muttersprache
zu erwerben. Aber das setzt auch voraus, dass Sie mit Ihrem Kind
sprechen. Je mehr Hilfe Sie Ihrem Kind dabei geben, desto leichter
wird ihm der Spracherwerb fallen.
Sprache zu lernen ist nämlich eine der schwierigsten Aufgaben
für kleine Kinder. Nachahmen alleine reicht bei weitem nicht
aus, um eine Muttersprache zu erwerben. Spracherwerb bedeutet vor
allem, dass das Kind die grammatischen Regeln lernen muss, auf denen
unsere Sprache aufbaut. Doch wie kann das Kind wissen, was ein Wort
ist oder wo Anfang und Ende eines Satzes sind? Es lernt diese Dinge
durch die Art und Weise, wie Sie mit ihm sprechen. Ihre Betonung,
Ihre Sprechmelodie und die Pausen, die Sie setzen, sind jetzt die
wichtigsten Hilfen.
Lassen Sie Ihrem Stimmklang freien Lauf! Kinder
lieben einen abwechslungsreichen und übertriebenen Tonfall.
Sprache dient keinem Selbstzweck. Wir brauchen Sie für die
Kommunikation mit anderen Menschen. Ihr Kind lernt Sprache, um mit
Ihnen in Kontakt treten zu können. Machen Sie den ersten Schritt:
Treten Sie in Kontakt mit Ihrem Kind! Versuchen Sie immer wieder
Situationen herzustellen, in denen Sie sich ganz auf Ihr Kind einlassen
können. Es reichen dabei schon wenige Minuten; zum Beispiel,
während Sie das Kind wickeln. Versuchen Sie, auch die Aufmerksamkeit
Ihres Kindes zu bekommen.
Treten Sie in Kontakt mit Ihrem Kind! Schauen Sie
es an und berühren Sie es, wenn Sie mit ihm reden. Versuchen
Sie, seine Aufmerksamkeit zu bekommen.
Ihr Kind kommuniziert mit Ihnen nur, wenn es will. Das setzt voraus,
dass es das ,Gespräch' mit Ihnen als etwas Angenehmes erlebt.
Ihre Kommunikation sollte deshalb liebevoll und/oder lustig sein.
Vermitteln Sie positive Erlebnisse!
Positive Erlebnisse lassen sich sehr gut durch kleine Sprachspiele
vermitteln. Dabei wird das Sprechen mit einem Spiel verbunden. Zum
Beispiel können Ihre Finger auf dem Körper des Kindes
hüpfen ("zehn kleine Fingerlein hüpfen auf und nieder"),
sich verstecken ("zehn kleine Fingerlein gehen ins Versteck,
zehn kleine Fingerlein sind auf einmal weg") und plötzlich
wieder auftauchen ("hoppla, da sind sie wieder").
Spielen Sie kleine Sprachspiele! Reime, Verse und
rhythmische Lieder eignen sich besonders gut . Wiederholen Sie diese
Sprachspiele so oft Sie und Ihr Kind es mögen.
Manche Kinder reagieren selbst auf die schönsten Sprachspiele
nicht. Ihre Eltern hören dann oft auf, mit dem Kind zu sprechen.
Das ist völlig verständlich, weil wir Erwachsenen gelernt
haben, dass zur Kommunikation zwei Menschen gehören. Mit Erwachsenen
führen wir deshalb auch keine einseitigen Monologe. Doch mit
Ihrem Kind sollten Sie es tun!
Spielen Sie mit Ihrem Kind auch dann Sprachspiele,
wenn es nicht darauf reagiert!
Sie können allerdings versuchen, das Kind zur Sprache zu verführen.
Wenn Sie beobachten, womit sich Ihr Kind gerade beschäftigt,
können Sie es dort ,abholen' . Es kommt nicht darauf an, worüber
Sie sprechen. Wichtig ist, dass sie sprechen und Ihr Kind dabei
zuhört. Wenn Ihr Kind beispielsweise an dem Reißverschluss
Ihrer Jacke spielt, können Sie den Reißverschluss auf
und zu ziehen und daraus ein Sprachspiel entwickeln: "Auf und
zu, sieh mal zu. Rauf und runter, immer munter".
Verführen Sie das Kind zur Sprache!
Der Alltag von Eltern ist oft sehr anstrengend. Es ist deshalb
nicht möglich, sich in jeder Situation auf das Kind einzulassen.
Oftmals stehen andere Ziele im Vordergrund, und auch die Bedürfnisse
der Eltern haben ihre Berechtigung. Doch selbst wenn Sie ein angespanntes
Leben führen, können Sie in Ihrem Alltag kleine Inseln
einbauen, in denen die sprachförderliche Kommunikation mit
Ihrem Kind im Vordergrund steht. Diese ,Sprachinseln' können
durchaus von kurzer Dauer sein. Hauptsache, Sie können sich
dabei ganz aufeinander einlassen.
Ziehen Sie sich mit Ihrem Kind immer wieder zwischendurch
auf Ihre gemeinsame Sprachinsel zurück!
Das von uns erstellte Faltblatt zu diesem Thema
können Sie jederzeit in unserer Praxis erhalten. |