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Birgit Lange

Aphasie
Störungsbild Aphasie
Was ist Aphasie ?
Ursachen
Arten der Aphasie
Begleitsymptome
Störungen der Schriftsprache
Ziele und Methoden der Sprachtherapie
Angehörigenberatung

Patienten fühlen sich oft mißverstanden, sprachlich überfordert oder zu fürsorglich behandelt. Angehörige wissen oft nicht, was eine Aphasie ist und wie sich die Sprachstörung im Alltag auswirkt. Sie müssen über individuelle Merkmale und den Schweregrad der sprachlichen Beeinträchtigung informiert werden, und es müssen Hinweise gegeben werden, wie sie mit dem Aphasiker umgehen können.

Evtl. sind auch Beratungsgespräche für sonstige Nahestehende des Patienten nötig.

a ) Warnzeichen eines Schlaganfalls
plötzlich einsetzender Schwindel mit Gangunsicherheit
halbseitige Lähmungserscheinungen und / oder Taubheitsgefühle auf einer Körperseite
herabhängender Mundwinkel
Sehstörungen ( z. B. Sehen von Doppelbildern oder Assoziationsbilder) mit plötzlichem kurzzeitigen Erblinden eines Auges
Verlust eines Gesichtsfeldes
erstmalig und plötzlich auftretende sehr heftige Kopfschmerzen
Sprach- und Sehstörungen
b ) Umgang mit Aphasikern im Gespräch / Tipps für Angehörige

Der Angehörige muß sich klar machen, dass er dem "Erkrankten" die verlorenen Fähigkeiten nicht ersetzen kann. Er sollte bei seiner Hilfeleistung darauf achten, daß er eine Überbehütung vermeidet.

Viele Betroffene wollen das, was sie selbst erledigen können auch selbständig tun ( auch wenn es mühsam ist und länger dauert ). Der Angehörige braucht Geduld und Einfühlungsvermögen, um nicht zu früh einzugreifen.

Der Angehörige sollte nicht auf seine eigenen Interessen und Bedürfnisse verzichten. Die Belastung der Angehörigen kann sonst zuweilen zu groß werden.

Kommunikationsregeln

in kurzen, einfachen Sätzen sprechen
ein langsames Sprechtempo verwenden
nicht schreien, der Aphasiker hat in der Regel ein intaktes Gehör !
beim Sprechen Blickkontakt halten
verstärkt Gestik u. Mimik einsetzen
Gespräche in einer Gruppe überfordern den Aphasiker
nicht in seinem Beisein mit anderen über den Aphasiker sprechen, ohne ihn dabei miteinzubeziehen
„Mit dem Herzen hören !" d.h., darauf achten, ob die Absicht des Aphasikers verstanden wurde
( der Inhalt ist wichtiger als die sprachlich richtige Form ! )
den Aphasiker nicht ständig verbessern
offene oder Alternativ-Fragen ( mit "oder" ) vermeiden, besser : Ja / Nein-Fragen verwenden
den Aphasiker nicht dazu auffordern, vor anderen Personen seine spachlichen Leistungen bzw. Fortschritte zu demonstrIeren
den Aphasiker auf jede erdenkliche Weise zum Sprechen anregen
beim Gespräch evtl. Hintergrundgeräusche durch Fernsehen oder Radio vermeiden! ausblenden
verstärkt Kommunikation mit Bildern einsetzen

z. B. Hilfe durch d. Kornmunikationsbuch
"LOGICON" von Spitzer / Sprengelmeyer, Verlag Prolog,
120,-DM, Kosten werden von der Krankenkasse übernornmen

bei Wortfindungsproblemen Wortanlaufhilfen geben
längere Pausen abwarten, den Aphasiker nicht unterbrechen oder „ins Wort fallen"

Tipps für Angehörige bei häuslichen Sprachübungen mit dem Aphasiker

Übung richtig falsch
Wortfindung Vorsprechen des ersten Buchstaben oder der ersten Silbe Wörter ständig nur vor und nachsprechen lassen
Redensarten verwenden, um auf das gesuchte Wort zu kommen schulisches Einpauken einzelner Wörter mit der Floskel "das ist ein..."
=> das Wort soll immer am Ende stehen  
 
   
Sprachverständnis-
störung
 
verstärkt Mimik und Gesten einsetzen Sprechen im Telegrammstil
Bilder von Gegenständen verwenden

Kleinkindersprache verwenden

   
Schreiben und Lesen mit Druckbuchstaben beginnen
( Druckschrift )
Schreiben in nur großen Buchstaben ( unnatürlich )
aus einzelnen Buchstaben ein Wort zusammenIegen  
c ) Umgang mit der gelähmten Körperhälfte im Alltag
Bewegungen : Aktivitäten bewusst über die gelähmte Seite ausführen lassen
die beeinträchtigte Körperhälfte soll an der offenen Bettseite sein
Gesprächspartner sollten - wenn möglich - Ansprache oder Blickkontakt zu dem Aphasiker immer über die betroffene Seite wählen ( d. h., sich bei rechtsgelähmter Körperhälfte auch immer rechts neben d. Aphasiker setzen ! )
Achtung: das Verletzungsrisiko auf der schwächeren Seite ist durch eingeschränkte Wahrnehmungsfähigkeit oder Ausfälle besonders hoch. Der Aphasiker selbst kann die daraus entstehenden Gefahren meistens nur unzureichend abschätzen
bei längerem Sitzen / Liegen regelmäßig die Sitz- oder Liegeposition verändern, da sonst schmerzhafte Druckstellen entstehen
auf eine gute Körperhaltung im Rollstuhl achten ( Stützkissen verwenden )
den gelähmten Arm oder die Hand besonders sorgfältig lagern
d ) Psychologische Aspekte

Akutstadium

Ruhe und Zuversicht ausstrahlen
geduldig zuhören, wenn Patient über Ängste u. Befürchtungen reden möchte
keine Panikstimmung verbreiten

Folgestadium

die Krankheit als Herausforderung verstehen, dem Patienten das Gefühl geben, dass er auch weiterhin wichtig fiir die FamiIie ist und gebraucht wird
Geduld aufbringen bei Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen und Nachlassen der Aufmerksamkeit
dem Patienten auch weiterhin Zuversicht vermitteln und durch kleine Erfolgserlebnisse bei den täglichen Übungen Optimismus geben
sich als Betreuungsperson zunehmend auch Erholungszeiten und eigenen Freiraum schaffen